Vom Lotterleben zum Lernmarathon
Was ich befürchtet hatte, ist schnell Realität: Statt kreativer Vormittage mit spontaner Blogideen und dem Gefühl, dass der Tag noch ganz mir gehört, hieß es plötzlich acht Stunden lernen – also wirklich. Tage zwischen Unterricht, Verstehen und dem Versuch, noch so etwas wie Alltag unterzubringen. Spoiler: Es hat nicht alles so funktioniert, wie gewollt. Trotzdem war mir klar, dass ich mich bewusst dafür entschieden hatte und da durchmusste. Aber jetzt zum – gar nicht mal so spannenden -Rückblick:
(kurze) Woche 1: Neujahrsschießen mit Folgen
Das Jahr startete an einem Donnerstag und wie es sich gehört, mit dem traditionellen Neujahrsschießen. Allerding später als gedacht, denn die Biogasanlage startete zickig ins neue Jahr. Wärme first! Unser erster Nachbar war leider außer Gefecht gesetzt, weil ihm am Vortag ein massiver Holzklotz auf den Fuß gefallen war. Seine Arbeits-Schlappen konnten dem nicht standhalten. Ein Zeh hat diesen Kampf eindeutig verloren. Also setzten wir die Runde ohne ihn fort. Long Story short: Als wir wieder zu Hause ankamen, hatten wir uns ziemlich einen in die Rüstung gescheppert.
Der nächste Morgen brachte eine radikale Erkenntnis hervor: Dry January ist gar keine so schlechte Idee! Na denn: volle Fahrt voraus in den Januar: Beton-Boden für den Estrich vorbereiten – bedeutet Klecks vom Putz abkratzen, Lieferscheine schreiben, Haushalt und immer wieder mit Buddy ab in den Schnee. Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Dezember-Morüblis, bevor ich mit dem besten Hund der Welt eine ausgedehnte Schneerunde drehte, ihn filmte und daraus natürlich noch ein Reel bastelte. Abends durfte dann das Kontrastprogramm ran: Buch, Netflix und das wohlverdiente Gefühl, dass der Januar langsam Fahrt aufnahm.

Woche 2: Schneetief Elli und Ski-Hütten-Wetter
Montags meldete sich mein Organisationsgen zurück und erinnerte mich daran, dass ein neues Jahr neue Termine verlangt. Also habe ich mich tapfer durch diverse Arztpraxen telefoniert und direkt einen Volltreffer gelandet: Zahnarzt, schon am nächsten Tag. Freude pur. Zusätzlich stand WMDEDGT an, weil der Fünfte natürlich nicht ignoriert werden darf, und Co-Bloggen war ebenfalls auf der Agenda. Eine Mitbloggerin lieferte mir dabei den entscheidenden Impuls für die Aufgabe der Woche: Mein Motto für 2026 – ALLES NEU. Damit konnte ich tatsächlich etwas anfangen.
Der Rest der Woche plätscherte zunächst ruhig dahin, mit Baustelle, Buddy und Zumba, allerdings nur bis Tief Elli beschloss, unser Leben neu zu strukturieren. Rund 40 Kisten Bier mussten vor dem Frost-Tod gerettet werden und von der Halle in den Keller verfrachtet werden – zu dritt, versteht sich. Zielorientiertes Krafttraining. Der Sonntag entschädigte dann aber mit perfektem Ski-Hütten-Wetter: knietiefer Schnee, strahlender Sonnenschein und ich gefühlt den ganzen Tag mit Buddy draußen. Natürlich erst nachdem ich den Artikel »ALLES NEU!« rausgehauen hatte!

Woche 3: Tapeten und Technik-Kung-Fu
Der Montag brachte die »12 von 12« mit sich -versteht sich fast von selbst. Einen Tag später entdeckte ich eine neue Kernkompetenz an mir: Tapeten abreißen. Nicht elegant, aber effektiv. Ich habe mich informiert: Geduld – d. h. nass machen, abwarten (lange!) und abziehen. Die Zumba-Stunden waren weiterhin ein echtes Highlight, bevor am Donnerstag noch einmal die Hütte auf Vordermann gebracht wurde – schließlich klopfte die Schulung bereits an die Tür.
Der Freitag begann dann mit einem Technik-Drama, das seinesgleichen suchte. Der versprochene Laptop (ich hatte bereits vor 10 Tagen danach gefragt)? Nicht da. Der zweite Bildschirm? Ebenfalls nicht. Teams? Wollte nicht. Mikrofon? Fehlanzeige. Ich hatte gefühlt alle Schweine im Rennen und stand kurz davor, mein Leben grundsätzlich zu hinterfragen. Am Ende funktionierte alles irgendwie, nur eben nicht gut, aber der Start war geschafft. Samstag folgte die Überraschung: Der Laptop kam tatsächlich an. Abends eine Einladung bei Asches – soziale Kontakte! – und am Sonntag Zeit für einen Blogartikel über True Crime, bevor Buddy und ich eine Runde frische Luft tankten.

Woche 4: Lernen und Dschungelcamp als Belohnung
Los gings mit der Fortbildung. Es wurde nicht lange gefackelt, sondern gleich in die Vollen. Spoiler: das sollte auch so bleiben!!! Von 8.00 – 12.30 Uhr – Pause – 13.15 – 16.00 Uhr. Also bereite ich nun morgens das Mittagessen vor. Neudeutsch MealPrep, denn den Einkauf hatte ich Samstag erledigt. Dankenswerterweise habe ich einen zweiten Bildschirm von Jutta bekommen – shout out an dieser Stelle!! Dadurch wurde das Lernen deutlich angenehmer. Trotzdem war die Woche randvoll mit Stoff, der am Sonntag noch einmal komplett wiederholt werden wollte. Ein ganzer Tag Lernen, unterbrochen von Wäsche, Bügeln und Trash-TV, denn der Dschungel hatte begonnen und Prioritäten sind wichtig. Der wöchentliche Blogartikel ist leider auf der Strecke geblieben.

Woche 5: Blond-Blond und 97 Prozent Erleichterung
Mein Wochenhoroskop sagt mir ein Glückszeit voraus! Jippieee! Zitat: Es ist eine dieser Wochen in diesem Jahr, in der Sie von einer Glückswelle getragenwerden! Einfach alles klappt, Sie fühlen sich blendend und rennen überall offene Türen ein. Offenbar hatte das Universum zumindest teilweise zugehört. Der Friseurbesuch am Mittwoch sorgte für blond-blond statt aschblond und ein gutes Stück weniger Haar – Veränderung tut gut. Der Probelauf für die Prüfung am Donnerstag fühlte sich überraschend easy an, was natürlich die perfekte Voraussetzung war, um am Freitag maximal nervös zu sein. Die Prüfung selbst hatte dann wenig von »easy«, aber am Ende stand das Ergebnis: bestanden, 97 Prozent, endlose Erleichterung. Der Samstag gehörte Zumba, Schnee und Haushalt – eine Kombination, die erstaunlich gut funktionierte.

📚 Gelesen
»Der Freund« – Freida McFadden
Psychothriller, wie man ihn von McFadden kennt: flüssig geschrieben, schnell gelesen und mit dem festen Versprechen, dass am Ende nichts so ist, wie es scheint. Allerdings hatte ich diesmal das Gefühl, der Autorin schon einen Schritt voraus zu sein, weil ich inzwischen offenbar zu viele ihrer Bücher verschlungen habe. Die berüchtigten Plot-Twists kamen, ja – aber sie trafen mich nicht mehr mit voller Wucht. Solide Unterhaltung für zwischendurch, allerdings ohne den sonst so typischen Aha-Moment.
»Der Mami-Dating-Club« – Marit Bernson
Dieses Buch habe ich aus reiner Neugier gekauft, nachdem es mir bei Amazon über den Weg lief und mit einem Literaturpreis beworben wurde. Ich wollte ehrlich wissen, welche Kriterien bei solchen Auszeichnungen angelegt werden. Die Antwort lautet offenbar nicht: Humor, Spannung oder Tiefgang. Weder die Figuren noch die Handlung konnten mich abholen, die Dialoge wirkten hölzern und der versprochene Witz blieb komplett aus. Kurz gesagt: ein Buch, das ich ohne schlechtes Gewissen nicht weiterempfehlen kann.
»Don’t Kiss Tommy« – Theresia Graw
Dieses Buch habe ich mir von meiner Freundin Heidi geliehen, da wir im April mit den Mädels eine Führung in Bad Oeynhausen machen und uns vorher thematisch einstimmen wollten. Die Geschichte basiert auf realen Begebenheiten rund um die britischen Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg und verbindet Historie mit persönlichem Schicksal. Gut recherchiert, atmosphärisch dicht und emotional, ohne kitschig zu werden. Perfekte Vorbereitung für unseren Ausflug – und deutlich nachhaltiger als gedacht.
📺 Gesehen
»Such mich nicht« – Netflix
Eine spannende Miniserie nach einem Thriller von Harlan Coben, dessen Geschichten mich fast immer abholen. Die Serie ist atmosphärisch dicht, clever erzählt und hält die Spannung konstant hoch, ohne unnötig zu überdrehen. Ideal für alle, die gern rätseln, mitdenken und am Ende trotzdem überrascht werden möchten. Für mich ganz klar ein Serien-Highlight.
»Mr. Mercedes« – Netflix
Basierend auf der gleichnamigen Trilogie von Stephen King, wurde mir diese Serie empfohlen – vermutlich, weil Netflix meine Schwäche für düstere Stoffe erkannt hat. Die erste Staffel war spannend und gut gespielt, doch ab der zweiten wurde es mir persönlich zu gruselig. Horror ist einfach nicht mein Genre, egal wie gut die Geschichte ist. Wer Stephen King mag und stärkere Nerven hat, dürfte hier allerdings voll auf seine Kosten kommen.
»Die Rosenschlacht« – Disney+
Da das Abo ohnehin noch lief, habe ich dieser Serie eine Chance gegeben – und wurde positiv überrascht. Very British, wunderbar bissig und getragen von großartigen Schauspielern. Benedict Cumberbatch liefert sich hier ein grandioses Duell mit Olivia Colman, das gleichzeitig unterhält und schmerzt. Schwarzer Humor trifft auf Beziehungskrieg, stilvoll und pointiert umgesetzt. Ein echter Volltreffer.
»Love Is Blind« – Netflix
Eine Datingshow, bei der sich Menschen kennenlernen, ohne sich zu sehen, um am Ende möglicherweise zu heiraten. Klingt absurd – ist es auch. Genau deshalb eignet sich das Format hervorragend als Nebenbei-Unterhaltung beim Bügeln oder Wäschelegen. Anspruchslos, vorhersehbar. Klassisches No-Brainer-Entertainment.
»The Night Manager« – Amazon Prime
Eine hochwertig produzierte Serie nach einem Roman von John le Carré, die mit Spannung, Stil und exzellenten Darstellern punktet. Spionage, Machtspiele und moralische Grauzonen stehen im Mittelpunkt, erzählt in ruhigem Tempo, aber mit konstanter Intensität. Eine Serie, die man nicht nebenbei schaut, sondern bewusst genießen sollte.
»Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« – RTL+
Nervig? Ja. Laut? Absolut. Trotzdem gehört der Dschungel für mich einfach dazu, ähnlich wie das Traumschiff. Es ist eine merkwürdige Mischung aus Fremdscham, Ritual und Gewohnheit, der ich mich jedes Jahr wieder hingebe. Wat mutt, dat mutt.
🎧 Gehört
»Verbrechen von nebenan« – Podcast
Diesen Podcast begleite ich nun schon seit Wochen und er gehört mittlerweile fest zu meinen Spaziergängen, Bügel-Sessions und ruhigen Abenden. Erzählt werden wahre Kriminalfälle aus Deutschland, oft aus ganz normalen Wohngegenden, was das Ganze besonders beklemmend macht. Die ruhige, sachliche Erzählweise verzichtet auf Effekthascherei und lässt die Geschichten für sich wirken. Genau das macht den Reiz aus: kein reißerisches True-Crime-Gedöns, sondern respektvoll, spannend und manchmal erschreckend nah.
Fazit: Was vom Januar bleibt
Der Januar hat mir sehr deutlich gezeigt, dass Veränderungen selten leise anklopfen, sondern viel eher direkt die Tür eintrete. Mein Alltag wurde einmal kräftig durchgeschüttelt, das Lotterleben offiziell abgemeldet und durch Disziplin, Meal Prep und Durchhaltevermögen ersetzt. Trotzdem war da auch Platz für Schnee unter den Füßen, Serien auf dem Bügelbrett, Bücher mit Fragezeichen und kleine Glücksmomente, die genau dann auftauchten, wenn ich sie gebraucht habe. Nicht alles lief rund, manches eher holprig, aber am Ende blieb das Gefühl, etwas geschafft zu haben. Wenn das der Ton für den Rest des Jahres ist, dann weiß ich: Es wird anstrengend, lehrreich und ganz sicher nicht langweilig.


Stifte gespitzt – Segel gesetzt. Ich bin Kerstin Steinkamp – Bloggerin und Zumba-Instruktorin mit Herz, Humor und einer Portion Gelassenheit. Sprache ist mein Handwerkszeug, Bewegung mein Ausgleich – beides steht für Energie, Leichtigkeit und Klarheit. Ich schreibe für Menschen, die wie ich sich selbst nicht zu ernst nehmen – denn manchmal ist das Leben hart genug. Auf meinem Blog verbinde ich ehrliche Einblicke in meinen aus Alltag, Themen, die mich gerade interessieren und meine Kreativität. Mehr über mich findest du hier.
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