Datev – könnte spannend sein. Könnte.

Ich mache seit einiger Zeit eine Fortbildung. Word, PowerPoint, Excel? Abgehakt. Und zwar gut. Ich war motiviert, ich war drin, ich hatte richtig Lust zu lernen. Ich hatte das Gefühl: Okay, das hier bringt mich weiter.

Und dann kam Datev. Ich dachte: Kann ja nicht so ein Hexenwerk sein. Tausende von Menschen arbeiten mit dem Programm! Die können doch nicht alle schlauer sein als ich. Meine Erfahrung in diesem jetzigen Datev Kurs ist… sagen wir mal: ausbaufähig.


Der nette Anfang – und warum nett manchmal nicht reicht

Unser erster Dozent war keiner, über den man sich aufregt. Eher einer, bei dem man denkt: Ach Mensch, der meint es doch gut.

Und das tat er auch. Er hat sich Mühe gegeben, hat Grundlagen erklärt, hat Beispiele gebracht, hat versucht, uns mitzunehmen.

Aber diese Gruppe…

Es gibt ja immer diese Dynamiken. Zwei, drei Leute, die sich plötzlich berufen fühlen, alles zu kommentieren. Die reinreden. Die Diskussionen anfangen, während andere einfach nur versuchen, den Faden nicht zu verlieren.

Und du sitzt da und merkst: Das entgleitet ihm gerade. Er kriegt sie nicht eingefangen. Und obwohl er fachlich wirklich topp war, kippte die Stimmung langsam. Nicht laut, nicht dramatisch – eher so schleichend.

Wie so ein Riss, der sich langsam durchzieht.


Schnitt. Der DATEV-Dozent. Neue Energie. Falsche Richtung.

Dann kommt der Wechsel. Neuer Dozent, neues Thema, neues Programm. Yeah!

Und dann sitzt du da und nach ungefähr fünf Minuten weißt du:
Das wird nichts.

Er startet Datev, und ab da gibt es eigentlich kein Zurück mehr. Es wird geklickt, gesprungen, geöffnet, geschlossen – Fenster hier, Menü da, zack, nächster Schritt.

Ich versuche wirklich, ihm zu folgen. Wirklich. Ich gebe mir Mühe.

Aber irgendwann verliere ich ihn. Nicht so ein bisschen. Komplett.

Und dann, aus dem Nichts, diese Frage in den Raum:

»Haben jetzt alle den Mandanten geöffnet?«

Ich starre auf meinen Bildschirm.

Mandant.

Wo?


Der Moment, in dem du merkst: Du bist nicht das Problem – oder doch?

Parallel dazu läuft noch diese PDF. Die sollen wir natürlich auch geöffnet haben. Ist ja »alles ganz toll erklärt«. Wenn ich das gewollt hätte, hätte mir ein Selbstlernkurs gereicht!

Also versuche ich, drei Dinge gleichzeitig zu tun: ihm zuzuhören, seine Klicks nachzuvollziehen und in dieser PDF mitzulesen.

Irgendwann weiß ich nicht mal mehr, wohin ich schauen soll.

Und genau in diesem Moment fällt dieser Satz:

»Sie können doch alle lesen, oder?«

Ja, Blödmann, aber nicht alles gleichzeitig!

Du spürst weißt, was mitschwingt.


Das öffentliche Scheitern

Wenn man nicht mitkommt, soll man »nach oben kommen« Sprich: Bildschirm teilen.

Ich habe das gemacht.

Andere auch.

Und während du da sitzt und versuchst zu erklären, wo du gerade hängst, hörst du im Hintergrund dieses Feuerzeug. Dieses Einatmen. Dieses leicht belegte Sprechen danach.

Und es ist so unangenehm. Nicht nur akustisch. Sondern weil du merkst: Der hat da gerade keine Geduld mehr.

Und dann passiert etwas, das eigentlich alles sagt:

Du bist nicht die Einzige.

Der Nächste kommt hoch.
Und noch einer.
Und noch jemand.

Gleiche Fragen. Gleiche Probleme.

Und ich sitze da und denke:
Spätestens jetzt müsste doch klar sein, dass hier gerade etwas grundsätzlich nicht funktioniert.

Aber stattdessen geht es einfach weiter.

Gefühlt noch schneller.


Und dann ist da diese eine Stimme

Mitten in diesem ganzen Chaos meldet sie sich. Du hörst sie schon, bevor sie überhaupt richtig anfängt zu sprechen.

»Können wir das nicht einfach mal selbstständig machen? Ich komme total raus, wenn hier so viele Fragen gestellt werden.«

Ich lehne mich zurück und denke nur:
Das ist jetzt nicht dein Ernst. DANN MACH DEIN MIKRO AUS!

Weil – ganz ehrlich – wir stellen diese Fragen ja nicht aus Spaß. Sondern weil wir sonst komplett verloren sind.

Aber das Beste kommt ja noch.

Denn wenn sie etwas hat, dann wird das plötzlich zum Gemeinschaftsprojekt.

Dann hören wir alle zu.

Dann gibt es Kontext. Hintergrund. Ein kleiner Ausflug in ihren beruflichen Werdegang.

«Also ich komme ja aus dem Gesundheitswesen und bei uns ist das ja so…«

Und ich sitze da und starre auf meinen Bildschirm und denke:
Warum?

Warum müssen wir uns das jetzt anhören, während ich nicht mal weiß, wie ich überhaupt einen Mandanten anlege?

Diese Mischung aus »Lasst mich bitte in Ruhe lernen« und gleichzeitig »Hört mir bitte alle zu« ist wirklich… beeindruckend.


Der Moment, in dem die Lust einfach weg ist

Irgendwann passiert es.

Ganz leise.

Du hörst auf, wirklich verstehen zu wollen. Du klickst nur noch hinterher. Versuchst die Buchungssätze ins System zu hauen, weißt aber nicht, warum die anderen ein Belegfeld 2 haben und du nur Belegfeld 1, versuchst, die Plus-Taste nicht mit Enter zu verwechseln, weil du wieder vergessen hast, ob Haben mit Plus oder Enter gebucht wurde. Und war das jetzt eine Ein- oder Ausgangsrechnung auf der PDF.

Du stellst weniger Fragen, nicht weil du alles verstanden hast – sondern weil du keine Lust mehr hast, dich da vorne wiederzufinden.

Und währenddessen erzählt er irgendwas von seinem Porsche, seinem brandgefährlichen Hund, den nur er händeln kann, seinem steinreichen Sohn (weil er sich um dessen Finanzen kümmert) und so weiter.

Und ich sitze da und denke:
Ich wäre schon froh, wenn ich einfach nur wüsste, wo ich klicken muss.


Ein Lichtblick – ehrlich

Und dann gibt es da diesen einen Teilnehmer. Der, der Dinge nochmal erklärt. Ruhig. Klar. Verständlich. Ohne dieses Gefühl, dass du dich dumm fühlen musst.

Und plötzlich verstehst du etwas. Einfach, weil es dir jemand normal erklärt. Und das ist eigentlich der Moment, der am meisten frustriert.

Weil er zeigt, dass es geht.


Ist Datev schwer zu lernen?

Kurz gesagt: Nein – aber so, wie es mir in diesem Kurs vermittelt wurde, fühlt es sich genau so an.

Was fehlt, sind klare Grundlagen, Struktur und ein Dozent, der versteht, wie Anfänger denken.

Datev an sich ist nicht das Problem.
Die Art, wie es hier unterrichtet wird, schon.


Und am Ende bleibt vor allem eins

Der Kurs ist noch nicht vorbei.

Ich schon.

Nicht körperlich – ich sitze da ja noch jeden Tag.

Aber innerlich?

Bin ich raus.

Die Motivation, die ich die letzten Wochen hatte, dieses »Ich hab Bock, ich will das können« – die ist weg.

Und was bleibt, ist dieses Gefühl:

Dass Lernen sich eigentlich nicht so anfühlen sollte.

Nicht wie ein Kampf.
Nicht wie ein Schulhof.
Und ganz sicher nicht so, dass man sich fragt, ob man einfach zu blöd ist – obwohl man genau weiß, dass man es nicht ist.

Und ja.

Ich bin sauer.

Richtig sauer.

Von Kerstin Steinkamp

Stifte gespitzt – Segel gesetzt. Ich bin Kerstin Steinkamp – Bloggerin und Zumba-Instruktorin mit Herz, Humor und einer Portion Gelassenheit. Sprache ist mein Handwerkszeug, Bewegung mein Ausgleich – beides steht für Energie, Leichtigkeit und Klarheit. Ich schreibe für Menschen, die wie ich sich selbst nicht zu ernst nehmen – denn manchmal ist das Leben hart genug. Auf meinem Blog verbinde ich ehrliche Einblicke in meinen aus Alltag, Themen, die mich gerade interessieren und meine Kreativität. Mehr über mich findest du hier.

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