Kennt ihr das? Man schaut in seinen Blog und denkt: »Ach, guck mal, wie süß. Ich glaub, den kenne ich noch.« So ungefähr ging es mir neulich. Mein letzter Blogartikel ist tatsächlich drei (DREI!) Monate her.
In Internetzeit entspricht das ungefähr einer halben Eiszeit. Ich könnte inzwischen ausgewandert sein, ein Lama gezüchtet oder Influencerin für selbstwischende Staubwedel geworden sein – niemand hätte etwas davon mitbekommen.
Und als hätte ich meine Blogger-Ehre nicht schon genug strapaziert, habe ich im Juli nicht nur 12 von 12 verpasst. WMDEDGT am Fünften? Ebenfalls Fehlanzeige. Und wo zum Teufel sind die Monatsrückblicke von Juni und Juli? By the Way: Mein letzter Artikel.
Früher hätte mich das wahnsinnig gemacht. Heute denke ich nur noch: »Das stand so aber nicht im Sprint Backlog.« Ja, ich habe mich mitten in einer Scrum-Master-Fortbildung befunden. Das bleibt offensichtlich nicht ohne Folgen.
Mein innerer Scrum Master übernimmt das Kommando
Eigentlich wollte ich ja nur ein bisschen dazulernen. So nach dem Motto: »Ach komm, so eine Fortbildung kann ja nicht schaden.«
Also saß ich wieder vier Wochen lang in einer Weiterbildung – täglich 8 Stunden – die selbstverständlich mit einer Prüfung endet. Diese Ausbildung hatte den Titel: Scrum Master. Meine spontane und nicht weniger investigative Frage lautete: »Hä?!«
Nachdem ich Licht ins Dunkle gebracht hatte, sann ich darüber nach, ob ich jemals als Scrum Master arbeiten würde.
Spoiler: Eher nicht.
Aber mein innerer Monk interessiert sich herzlich wenig für berufliche Perspektiven. Der sieht nur eine Prüfung und ruft sofort: »Challenge accepted!«
Warum eigentlich? Ich weiß es nicht.
Genau das gleiche Spiel wie bei meiner KI-Fortbildung. Mit 97,7 Prozent bestanden. Ich war kurz stolz. Sehr kurz. Denn leider bekommt man für 97,7 Prozent weder zusätzliche Freizeit noch einen fertigen Blogartikel geschenkt.

Mein innerer Scrum Master wollte den Meilenstein feiern. Mein innerer Schweinehund fragte lediglich, ob wir jetzt endlich mal wieder ein schönes Buch lesen und eine Serie bingen dürften.
Der Projektplan hatte keinen Umbau vorgesehen
Parallel bauen wir unser Haus um. Oder besser gesagt: Wir leben seit Monaten auf einer Baustelle und nennen das inzwischen Alltag. In Scrum würde man dieses große Ziel grob als Product Goal bezeichnen. Auf unserer Baustelle heißt es schlicht: Fertig werden, ohne vorher durchzudrehen. Und ganz wichtig: Die Definition of Done muss für alle transparent und eindeutig sein.
Es gibt das Product Backlog. Dort landet alles, was irgendwann erledigt werden muss. Aus diesem großen Backlog nimmt man sich für einen überschaubaren Zeitraum – sogenannte Time-Boxen (max. je 4 Wochen oder weniger) bestimmte Dinge vor. Willkommen im Sprint. Das Sprint Backlog, enthält dann das, woran gerade tatsächlich gearbeitet wird. Arbeiten, die wir uns selbst täglich als Ziel setzen, um am Ende die Definition of Done erreicht, und ein Inkrement (Sprint-Ziel) vorzuweisen haben.
Es wird also gebohrt, gehämmert, angeliefert, wieder abgeholt und nicht zuletzt wieder neu geplant, wenn die Fliesen ausverkauft und nicht mehr hergestellt werden. Geradezu täglich wird das Product-Backlog um User-Storys erweitert, die berechtigterweise auch im aktuellen Sprint-Backlog aufgenommen werden müssen.
Könnt ihr mir bis hierhin folgen?
Die Sache mit den Fliesen
Mein persönliches Highlight? Unsere Badfliesen. Die hatten wir nämlich bereits im Januar 2025 (!) ausgesucht. Ich erinnere mich noch genau daran, wie erleichtert ich war. Ein Haken auf der Liste. Endlich eine Entscheidung weniger. Im Sommer wollten wir die Fliesen bestellen. Haben wir auch – allerdings im Sommer 2026.
Die Verkäuferin schaute in ihren Computer, lächelte freundlich und sagte den Satz, den vermutlich jeder Bauherr irgendwann einmal hört: »Die sind leider aus dem Programm genommen worden.«
Natürlich. Warum sollte auch einmal etwas einfach sein? Bereits ausgesuchte Fliesen können zwischen Auswahl und Bestellung einfach verschwinden. Das weiß doch jeder.
Badmöbel – oder: Wer denkt sich solche Preise aus?
Nachdem wir die Fliesen hinter uns hatten, ging es zu den Badmöbeln. Bis dahin wusste ich gar nicht, dass Badezimmer offenbar aus purem Gold eingerichtet werden. Kann mir bitte irgendjemand erklären, warum Badmöbel so unfassbar teuer sind?
Mal ehrlich. Das sind doch im Grunde Küchenmöbel. Mit einem Loch für den Abfluss. Oder habe ich irgendeine revolutionäre Badmöbel-Technologie übersehen?
Wir fanden tatsächlich einen Waschtischunterschrank, der unseren Vorstellungen halbwegs nahekam. Preis? Etwa soviel, wie du für eine veritablen Dreimaster hinlegen darfst.
Ich dagegen dachte nur: »Ihr wollt mich doch verarschen.« So viel Kohle für einen Schrank, der noch nicht einmal so aussieht, wie ich ihn gerne hätte? Ganz bestimmt nicht. Also wird selbst gebaut.
Inspect. Adapt. Christian anrufen.
Der Sommer hatte ebenfalls Änderungswünsche
Temperaturen über 30 Grad? Einspruch – Abgelehnt! Wurde trotzdem umgesetzt.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei dieser Hitze sinkt meine Produktivität auf das Niveau einer vergessenen Topfpflanze und meine Aufmerksamkeitsspanne reicht gerade mal von der Wand bis zur Tapete.
Man setzt sich motiviert (räusper) an den Schreibtisch und starrt bewegungslos auf die Monitore. Die Kamera bleibt vorsichtshalber aus, bis eine Stimme aus dem Off fragt: »Kerstin? Bist du da?«
Lernen? No way! Zur Abwechslung Zumba? Vergiss es! Mahlzeiten zubereiten? Vielleicht später. Irgendwer behauptete mal, Bier kalt stellen sei auch so etwas wie kochen – muss ich mal drauf nachdenken!

Mein SUB führt inzwischen ein Eigenleben
Ich habe in den letzten sechs Monaten gerade einmal drei Bücher gelesen. Drei! Für manche Menschen ist das vielleicht eine beachtliche Leistung. Für mich ist das ungefähr so, als würde mein Göttergatte erzählen, er habe seit Ostern nur zwei Snickers gegessen.
Lächerlich.
Nun könnte man meinen, dass ich deshalb erst einmal meinen Stapel ungelesener Bücher abarbeite. Natürlich nicht. Ich Blödmann. Wenn ich in einer Buchhandlung stehe oder im Internet über eine Buchempfehlung stolpere, denke ich nicht etwa:
»Moment mal, zu Hause warten doch schon genügend Bücher auf dich.« Nein. Ich denke: »Oh, der Titel klingt gut!« Und schon wandert das nächste Buch in den Warenkorb.
Mein SUB – also der Stapel ungelesener Bücher – entwickelt inzwischen ein bemerkenswertes Eigenleben.
Zu meiner Verteidigung: Ich habe immerhin Zeit gefunden, gelesene Bücher zu momoxen. Nicht weniger als drei respektable Pakete wurden abgeholt!
Ich weiß – kling ein wenig nach Milchmädchen-Rechnung. So nach dem Motto: ich habe heute 70 € gespart, weil ich mir die Schuhe nicht gekauft habe. Deshalb habe ich nun drei neue Bücher im Regal und ein großes Spagehtti-Eis mit Sahne im Bauch.
Buddy kennt kein Sprint Planning
Und dann ist da natürlich noch Buddy. Buddy interessiert sich weder für Scrum, Projekt-Backlogs, Retrospektiven oder Reviews. Buddy lebt nach einer erstaunlich einfachen Methode. Hunger? Fressen. Müde? Schlafen. Kerstin glotzt auf Bildschirme und spricht mit Leuten, die ich nicht sehen kann? Juckt mich nicht! Spielen? Jetzt.
Nicht nach der Prüfung. Nicht nach dem Möbelhaus. Nicht nach dem Blogartikel. Jetzt. Buddy lebt konsequent im Hier und Jetzt. Beneidenswert, oder?
Die Retrospektive
Wenn ich die letzten Monate wie ein Scrum Master in einer Retrospektive zusammenfassen müsste, würde sie vermutlich ungefähr so aussehen:
Was lief gut?
- KI-Prüfung mit 97,7 Prozent bestanden.
- Scrum-Master-Ausbildung ebenfalls.
- Beim Umbau geht es – trotz allem – voran. Estrich ist drin und die Wände verputzt.
- Neue Fliesen sind gefunden.
- Die Badmöbel werden selbst gebaut.
- Buddy ist nach wie vor fest davon überzeugt, dass ich die Beste bin
Was lief weniger gut?
- Drei Monate nicht gebloggt.
- 12 von 12 verpasst.
- WMDEDGT ebenfalls.
- Zwei Monatsrückblicke auch.
- Genau drei Bücher gelesen.
- Unglaublich schlecht geschlafen.
- Sport? Rudimentär!
Was nehmen wir uns für den nächsten Sprint vor?
Nicht alles perfekt machen. Nicht jede Prüfung gedanklich schon drei Wochen vorher bestehen. Nicht jeden freien Nachmittag mit Möbelhäusern verbringen.
Und vielleicht auch einfach mal wieder schreiben. Denn genau das hat mir in den letzten Monaten tatsächlich gefehlt. Nicht nur das Schreiben an sich. Sondern dieses bewusste Innehalten. Die kleinen Absurditäten des Alltags zu entdecken. Sie aufzuschreiben, um anschließend darüber lachen zu können.
Denn Stoff für Geschichten mangelt es offensichtlich nicht. Ganz im Gegenteil. Er stapelt sich hier ungefähr so zuverlässig wie meine ungelesenen Bücher.
Fazit
Vielleicht besteht mein eigentliches Problem gar nicht darin, dass ich zu wenig Zeit habe. Vielleicht habe ich einfach zu viele Interessen. Ich möchte lernen und die Prüfungen bestehen. Derzeit stecke ich in einer Fortbildung namens Social-Media-Management.
Ich möchte unser Haus umbauen. Regelmäßig Sport treiben und Zumba-Stunden geben. Lesen. Mit Buddy unterwegs sein. Bloggen. Und zwischendurch am liebsten noch alles perfekt machen.
Der Betriebsrat meines inneren Schweinehundes hat ihn allerdings einstimmig abgelehnt. Und möglicherweise hat der Betriebsrat ausnahmsweise sogar recht. Deshalb starte ich jetzt einen neuen Sprint mit einem einzigen realistischen Ziel:
Einfach wieder bloggen. Alles andere kommt dann Sprint für Sprint.
In diesem Sinne: Das Daily ist beendet. Die Retrospektive auch.
Und mein innerer Scrum Master hat gerade beschlossen, diesen Blogartikel erfolgreich auf »Done« zu setzen.

Stifte gespitzt – Segel gesetzt. Ich bin Kerstin Steinkamp – Bloggerin und Zumba-Instruktorin mit Herz, Humor und einer Portion Gelassenheit. Sprache ist mein Handwerkszeug, Bewegung mein Ausgleich – beides steht für Energie, Leichtigkeit und Klarheit. Ich schreibe für Menschen, die wie ich sich selbst nicht zu ernst nehmen – denn manchmal ist das Leben hart genug. Auf meinem Blog verbinde ich ehrliche Einblicke in meinen aus Alltag, Themen, die mich gerade interessieren und meine Kreativität. Mehr über mich findest du hier.
hi Kerstin,
schön, dass du wieder im Blog bist 😊 und Glückwunsch zum Scrum Master! 👍 Richtig stark, und das neben eurer Großbaustelle.
Darauf gerne zeitnah ein kühles Weizen.
LG
Harry