Monatsrückblick April 2026

Zwischen Bauschutt, Bildungsgutschein und Bollerwagen-Hits

Manche Monate rauschen vorbei wie ein lauer Frühlingswind, und dann gibt es den April, der nicht anklopft sondern mit Anlauf die Tür eintritt und bestimmt: »So, Kerstin, wir zwei erleben jetzt mal was.«

Dieser Monat hatte wirklich alles im Gepäck: medizinisches Neuland, 14- und 30jährige Jubiläen, amtliche Hürden mit satirischem Potenzial und jeder Menge Bauschutt. Während andere den Frühling mit Aperol in der Sonne begrüßen, stand ich bewaffnet mit Hammer, Handschuhen und einer erstaunlich stabilen Mischung aus Galgenhumor und Baustellenradio mitten im Staub des Lebens.

Zwischendurch wurde getanzt, gegessen, diskutiert, organisiert und natürlich gepflegt prokrastiniert – also im Grunde mein Spezialgebiet. April war kein Monat zum gepflegten Durchgleiten, eher einer zum beherzten Durchwurschteln mit guter Lauter Musik, dreckigen Schuhen und der leisen Hoffnung, dass es irgendwie gut ausgehen wird.

Rückblickend kann ich sagen: Er hat mich nicht geschont, aber hervorragend unterhalten.

Woche 1: Zwischen Darmspiegelung, Dachrinne und Baustellenbeats

Der April startete in diesem Jahr nicht mit einem Aprilscherz, sondern mit einem Abführgetränk. Man weiß sofort: Das Universum meint es ernst.

Am nächsten Morgen stand die Darmspiegelung auf dem Programm – ein Termin, den man – in meinem Falle – mit Vorfreude im Kalender markiert, der sich am Ende aber als überraschend unspektakulär entpuppte. Ich wurde freundlich empfangen, kurz weggebeamt, wacht wieder auf und bekommt von der Ärztin sinngemäß mitgeteilt, dass innen alles geschniegelt genug ist, um sich erst in zehn Jahren wiederzusehen.

Auf meine Frage, ob ich den Folgetermin direkt festmachen könne, wurde gelacht. Fairerweise muss man sagen: Ich stand noch unter Medikamenteneinfluss und mein Mundwerk arbeitet auch ohne Narkose oft schneller als der Rest von mir.

Während ich also sediert meine Würde wieder einsammelte, schlummerte der Göttergatte im Wartezimmer tiefenentspannt auf einem Stuhl, den Kopf dekorativ an die Wand gelehnt. Romantik hat viele Gesichter.

Den Nachmittag verbrachte ich zuverlässig außer Betrieb auf dem Sofa, bestens umsorgt von Lena, die über Ostern da war und sich rührend kümmerte. Mein Datev-Kurs hatte ich für diesen Tag ohnehin innerlich schon beerdigt, die Krankmeldung erledigte den Rest.

Vom Bohrhammer-Konzert im Haus bekam ich nichts mit, habe später aber aus Solidarität Gyros-Pita für die Baustellencrew springen lassen.

Karfreitag wurde dann körperlich gearbeitet: Lena und ich haben Bauschutt beseitigt, begleitet von Bollerwagen-Hits aus dem Baustellenradio, die wir mit einer Mischung aus Hingabe und tonaler Verzweiflung lautstark mitgesungen haben.

Samstag stand die Dachrinne unserer Halle auf dem Plan – ein Biotop von der Tiefe des Mittellandkanals, gefüllt mit dem Laub der letzten drei Jahre.

Ostersonntag wurde dafür kulinarisch deutlich erfreulicher: Roastbeef, scharf angebraten und dann stundenlang im Ofen gegart, dazu die Remoulade des Göttergatten, Baguette und Käse. Mehr Feiertag braucht kein Mensch.

Woche 2: Zwischen Behördenbingo, Beautyfail und Ehejubiläum

Ostermontag ging es mit Lena per Rad nach Diepenau zu meinem Bruder. Frische Luft, Bewegung und später die Reste vom Feiertagsessen – ein rundes Konzept.

Abends gönnten wir uns Tuchmasken, die laut Verpackung eine Stunde auf dem Gesicht verbleiben mussten, bis sie sich von Weiß in transparent verwandeln und dabei sämtliche Wunderstoffe in die Haut schleusen. Das Ergebnis war überschaubar. Unsere Gesichter sahen danach aus wie vorher.

Parallel lief Das Kanu des Manitu. Sagen wir es diplomatisch: Man kann ihn schauen. Man muss aber wirklich nicht.

Dienstag hieß es Abschied nehmen, denn Lena musste zurück. Also tuckerten wir A2-vermeidend über Land nach Hannover zum Flughafen, was erstaunlich entspannt funktionierte. Für einen Zwischenstopp beim gelben M reichte die Zeit noch, mein Appetit schaffte allerdings nur drei Chicken Nuggets.

Danach war der Plan eigentlich Heimfahrt. Tatsächlich landeten wir erst noch bei Christian zum Geburtstag, wollten »nur kurz« gratulieren und kamen – wie das bei gelungenen Abenden eben passiert – irgendwann gegen halb zwei nachts wieder zu Hause an. Sehr guter Abend, sehr sehr lustig, sehr tolle Zeit!!!

Zur Wochenmitte kam dann die Akademie um die Ecke und erklärte, mein WordPress-Folgekurs könne leider nicht stattfinden. Alternativ gäbe es einen neuen Einstiegstermin im Mai, wofür ich bitte einfach mal eben einen neuen Bildungsgutschein vom Amt besorgen solle.

Herrlich.

Wer jemals mit Behörden zu tun hatte, weiß: »einfach mal eben« ist dort ein reiner Fantasiebegriff. Also begann das fröhliche E-Mail-Pingpong inklusive Widerruf, Rückfragen und jener Bürokratie, bei der man irgendwann nicht mehr weiß, ob man einen Kurs beantragt oder versehentlich ein kleines Königreich übernimmt.

Den Rest der Woche verbrachte ich zwischen Putz abstemmen, Beete entunkrauten, Essen für Güllefahrer verteilen und Zumba tanzen.

Nebenbei feierte ich 14 Jahre als Zumba-Instructor – und ganz beiläufig auch 30 Jahre Ehe. Große Feier war nicht geplant, aber Nachbarn und Freunde fanden, dass Würstchen und Getränke ein völlig ausreichendes Festkonzept darstellen. Recht hatten sie.

Woche 3: Zwischen Bildungswende, Sommerblond und Stauballtag

Datev bekam überraschend ein menschliches Gesicht: neuer Dozent, neue Hoffnung, und tatsächlich saß da plötzlich jemand, der lehren wollte statt nur zu existieren.

Das Versäumte ließ sich zwar nicht mehr komplett retten, aber immerhin musste ich meine innere Feindschaft zu Datev überdenken. Vielleicht liegt es gar nicht immer am Programm. Vielleicht liegt es manchmal einfach daran, wer davorsteht und Dinge erklärt.

Neben dieser kleinen Bildungswende stand ein Friseurtermin an. Meine Haare und ich waren uns einig: Sommerblond muss her.

Ansonsten bestand die Woche aus Unkraut, Maishaufen, Güllefahrern, Essenslogistik und dem mittlerweile vertrauten Rhythmus aus Staub, Schutt und Muskelkater.

Während ich also Putz von Decken hämmerte und Radio Bob statt Bollerwagen-Hits die akustische Begleitung übernahm, entstand zwischen Judas Priest und Saxon die Idee für den Blogartikel über Übergangsphasen. Gedankenkarussell funktioniert offenbar auch mit Bohrhammer in der Hand.

Sonntag war ich dann schlicht fertig gegart, habe nach dem Schreiben nur noch ferngesehen und meditativ Wäsche gebügelt.

Woche 4: Zwischen Bildungsgutschein, Buchhandlung und Frühlingssonne

Montag begann früh mit Blutabnahme und EKG fürs Check-up, danach Einkauf und direkt weiter im Staubprogramm.

Dienstag wurde mein selbst produziertes Chaos beseitigt, Netze auf dem Maishaufen mit dem Göttergatten zusammengelegt. Spoiler: Spannbettlaken sind kompakter. Abends gab es Zumba als Belohnung.

Mittwoch folgte ein Videotermin mit meiner Beraterin vom Arbeitsamt, erstaunlich kurz, erfreulich lösungsorientiert und fast schon verdächtig unkompliziert.

Spontan bekam ich für Donnerstag einen Vor-Ort-Termin in Lübbecke, um die Unterlagen für den neuen Bildungsgutschein abzuholen. Wenn ich ohnehin schon in der Stadt bin, kann ich ja auch »kurz« in die Buchhandlung.

Tja.

Zwischen drei Büchern konnte ich mich nicht entscheiden, also durften alle mit. Literatur ist schließlich auch eine Form von Bildungsinvestition.

Beseelt von so viel Fortschritt wurden Freitag neue Zumba-Choreos ausprobiert, die letzten Deckenreste im Future-Büro entfernt und erneut Bauschutt bewegt.

Samstag stand nach einer Doppelstunde Zumba die jährliche Radtour mit den Mädels an – wie immer sehr lustig, nur die Rückfahrt spätabends war von einer fast schon lächerlichen eine Herausforderung. April, entspannt dich mal!!

Ratet mal!

Sonntag kam endlich Sonne. Buch, Dachterrasse, Füße hoch, Buddy daneben – genau mein Tempo.

Woche 5: Zwischen Muskelkater, Maisleger und Abrissbirnengefühl

Montag begann mit Essen für den Maisleger und endete, wie sollte es anders sein, mit Putz.

Drei Akkuladungen später fühlten sich meine Arme an wie verkochte Spaghetti mit Restfunktion. Irgendwann stand ich mitten im Staub, den Hammer in der Hand, komplett eingepudert wie ein missglückter Krapfen und fragte mich kurz, ob das hier noch Renovierung ist oder bereits ein sehr spezielles Fitnessprogramm für hobbylose Menschen.

Der April hatte jedenfalls bis zum Schluss nicht vor, mich in Würde aus diesem Monat zu entlassen. Stattdessen gab es Muskelkater, Schutt und das leise Gefühl, dass ich inzwischen wahrscheinlich tragfähig genug für jede Art von Abrissbirnen-Challenge wäre.

📚 Gelesen

The Academy – Elin Hilderbrand
Gerade angefangen und schon wieder völlig drin. Eine Eliteschule mit glänzender Fassade, perfektem Ruf und natürlich jeder Menge Abgründen direkt unter dem geschniegelt polierten Parkett. Die Tiffin Academy landet überraschend auf Platz zwei im Ranking – und plötzlich wird aus Prestige ganz schnell Problemverwaltung. Ich liebe Elin Hilderbrands Art zu erzählen ohnehin sehr, und wie immer möchte ich nach wenigen Seiten gedanklich sofort barfuß mit Meereswind in Nantucket wohnen.

🎧 Gehört

Verbrechen von nebenan – Philip Fleiter
Mein treuer Begleiter im Auto und gelegentlich auch beim Einschlafen, was rückblickend vielleicht nicht ganz unproblematisch ist. Spannend, gut erzählt und genau richtig dosiert zwischen Gänsehaut und „Ich höre nur noch diese eine Folge“.

Der dunkle Thron – Rebecca Gablé
Historischer Stoff aus der Waringham-Saga, diesmal rund um Heinrich VIII. Machtspiele, Intrigen und höfisches Drama mit gewohnt opulenter Erzählkunst. Rebecca Gablé schafft es zuverlässig, Geschichte so zu servieren, dass man freiwillig stundenlang zuhört.

📺 Gesehen

Kampf der Realitystars – RTL+
Trash-TV in Reinform und für mich weiterhin ein Hochgenuss. Eitelkeiten, Eskalationen und Egomanie unter Palmen – was will man mehr.

Temptation Island – RTL+
Paare, die sehenden Auges in emotionale Kreissägen laufen und sich dabei filmen lassen. Pädagogisch fragwürdig, aber erschütternd unterhaltsam.

Im Wald – Netflix
Verfilmter Harlan-Coben-Stoff mit viel düsterer Atmosphäre, aber leider deutlich spannender in der Theorie als in der Umsetzung.

Downton Abbey – Der Film – Sky
Optisch hübsch wie eh und je, inhaltlich allerdings eher einschläfernd. Sehr gute Entscheidung, damals nicht ins Kino gegangen zu sein.

Das Kanu des Manitu – RTL+
Aufgewärmte Gags bleiben eben aufgewärmte Gags. Nostalgie allein trägt keinen ganzen Film.

Stromberg – Prime Video
Ich hatte mich wirklich gefreut. Leider blieb vom alten Biss nicht viel übrig. Statt treffsicherem Fremdscham-Humor gab’s vor allem den erhobenen Zeigefinger mit angezogener Handbremse. Schade.

Fazit: April konnte alles – außer Leichtigkeit

Dieser April war nichts für Menschen mit Hang zu sanfter Frühlingsromantik. Er war laut, staubig, bürokratisch, leicht absurd und stellenweise unerquicklich – aber eben auch voller Geschichten.

Zwischen Arztterminen, Bohrhammer, Bildungsgutschein, Zumba, Jubiläum und Bauschutt lag erstaunlich viel Leben in diesem Monat. Nicht geschniegelt, nicht geschniegelt schön, aber ziemlich unterhaltsam. April war kein Monat zum Zurücklehnen, sondern einer zum Mitmachen, Mitlachen und gelegentlichen Verzweifeln auf hohem Unterhaltungsniveau.

Unterm Strich bleibt ein Monat, der mich nicht gerade zart behandelt hat, aber immerhin mit ordentlich Material für Geschichten.

Ausblick auf Mai: Inselwind, Wiener Schnitzel und zweite Chancen

Der Mai darf jetzt gern ein kleines bisschen weniger Bauschutt und ein kleines bisschen mehr Abenteuer liefern.

Geplant sind gleich zwei Auszeiten mit Aussicht: Es geht zu Janne nach Langeoog – inklusive Nordseewind, Inseltempo und vermutlich genau der Sorte Kopf-durchpusten, die nach diesem April dringend nötig ist.

Außerdem wartet Wien. Mit der Bahn. Ein Mikroabenteuer auf Schienen, auf das ich mich jetzt schon absurd freue – und der leisen Hoffnung, dass die Deutsche Bahn einfach nur tut, wofür sie ausgesprochen gut bezahlt wird.

Und dann wäre da noch meine Fortbildung, die im Mai tatsächlich weitergeht. Nach allem bürokratischen Hin und Her im April hätte ich ehrlich gesagt nicht unbedingt darauf gewettet. Aber siehe da: Plot Twist. Bildungsgutschein, zweite Runde.

Mai, du darfst dann jetzt übernehmen.

Von Kerstin Steinkamp

Stifte gespitzt – Segel gesetzt. Ich bin Kerstin Steinkamp – Bloggerin und Zumba-Instruktorin mit Herz, Humor und einer Portion Gelassenheit. Sprache ist mein Handwerkszeug, Bewegung mein Ausgleich – beides steht für Energie, Leichtigkeit und Klarheit. Ich schreibe für Menschen, die wie ich sich selbst nicht zu ernst nehmen – denn manchmal ist das Leben hart genug. Auf meinem Blog verbinde ich ehrliche Einblicke in meinen aus Alltag, Themen, die mich gerade interessieren und meine Kreativität. Mehr über mich findest du hier.

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